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  • Jad Turjman

"Die Gesichtlosen" Gedicht

Neumond und das Sprühen der Meerswellen auf mein Gesicht begrüßt mich, wie ein hungriger Monster der sich auf seine Beute freut!

Ein Kind das Bereits im Schlauchboot setzt fragt sein Vater:"Baba wieso ist das Meer schwarz? Du hast mir erzählt es sei Blau..." sein Vater kann die Frage nicht beantworten. Er schaut Richtung Griechenland und sucht am dunklen Horizont des versprochenen Glückes. 

"Schmeiß dein Rucksack weg. Wir haben keinen Platz dafür." Schrie mich der Schlepper an. Ich umarme meinen Rucksack fest wie die Mutter ihres Neugeborenen.  "Was hast du so Wichtiges da drinnen?" fragte er ungeduldig und wütend.  "Meine Identität und ein bisschen Individualität..." antwortete ich beschämt über meine Egoismus...  "schmeiß dein Rucksack weg. Du brauchst das dort nicht, denn dort kennen dich alle schon..."  Ich spielte keine Rolle für mein Überleben...  Ich spielte mit der Ungewissheit,  wie ein achtloses Kind an der Küste der Gestrandeten, Würfeln. Sie mit dem dunklen Meer und der Geruch der Angst bewaffnet und ich mit dem Bild des Lächeln meiner Mutter.  Eine Umarmung der Zärtlichkeit meiner Mutter begleitet mich wie ein unsichtbarer Hanisch aber mein Würfelwurf schlug fehl und das Meer entschied sich, die schwarze Prinzessin zu einer Meerjungfrau zu verwandeln und sie in seinem Inneren ewig, herrschen zu lassen.  Ich war große als eine Biene um zwischen den Grenzen wandern zu können und weniger als ein Mensch um miz meinem Reisepass reisen zu dürfen.  Eine menschliche Möwe rettete mich. Sie sah wie die Wellen mit ihren Schleudern der Geruch des Krieges in meiner Seele wegwischen wollten. 

Ich überlebte und kam an, und es stimmt, alle kennen mich hier! kennst du mich nicht?  Ja, ich bin der Flüchtling, kennst du mich nicht? Ich bin sehr berühmt.  Ich bin für den Aufstieg der Rechtsextremen in Europa verantwortlich. Ich zahle tagtäglich die Rechnung für die Waffenindustrie, um sie am Leben zu halten.  Ich bin der Kompass in den Reden so mancher Politiker, vom Anfang bis zum Ende. Denn für sie bin ich gefährlicher als der Klimawandel, Umweltverschmutzung, Drogenkonsum oder Altersarmut.  Ich bin der Gesichtslose, der sich schuldig fühlt, wenn ein anderer Gesichtsloser einen Fehler macht. Ich bin der Gesichtslose, der sich bedroht fühlt von den Berichten den Medien, wenn die Gesichtlosen erwähnt werden. ​

Ich schreibe, weil ich mir ein Gehör und eine Stimme verschaffen will. Ich trete auf die Bühne auf, damit wir beide über unsere Ängste lachen können. Ich strecke dir meine Hand aus, weil ich nicht will, dass du mich als Fremder siehst und ich mich als Solcher fühlen.

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